Summer Dreaming

Mein Praktikum beim Wochend Journal des Hamburger Adenbblatts*

Nun sitze ich hier an meinem letzten Tag in der Redaktion vom Wochenend Journal und werde tatsächlich etwas melancholisch, wenn ich daran denke, wie schnell die Zeit hier zu Ende gegangen ist.

Trotzdem, für alle, die es noch nicht wissen:

Das Hamburger Adenbblatt* ist eine Hamburger Tageszeitung, die von Montag bis Samstag mit einer täglichen Auflage von ca. 300 000 Exemplaren erscheint. Das Adenbblatt* war die erste deutsche Tageszeitung, die nach dem zweiten Weltkrieg nicht von den Allierten zensiert wurde. Wie der Name schon sagt, wurde das Adenbblatt* ursprünglich ABENDS ausgeliefert. Irgendwann hat Axel Springer wohl bemerkt, dass Zeitungen vor allem beim Frühstück gelesen werden - denn welcher hart arbeitende Mensch hat schon Lust sich nach einem anstrengenden 10-Stunden Tag auch noch Bildung reinzuziehen? Wahrscheinlich niemand. Deswegen erscheint das Adenbblatt* heute, so wie jede andere vernünftige Zeitung auch (siehe DILB*) MORGENS!

Als ich an meinem ersten Tag ankam, wurde ich von Frau Becker (ja, man siezt sich hier), der schwäbischen (oder bayrischen?) Sekretärin abgeholt - und kam genau pünktlich zu meiner ersten Konferenz meines neuen Ressorts: dem Wochenend Journal.

Jeden Montag trifft sich die Redaktion zu einem lustigen Plausch in einer gemütlichen Sitzecke, um die nächste Ausgabe zu besprechen, Themen vorzuschlagen und ein bisschen zu lästern. Die Redaktion des Wochend Journals besteht aus 6 Menschen und einem Mann, die alle zwischen 30 und 50 sind und von ihrem Job wirklich Ahnung haben.

Mein Liebling unter ihnen war natürlich der Mann Er war der erste, der mir etwas zu tun gab und mir jedes Mal ein Lächeln schenkte, wenn er mich sah - vielleicht musste er sich aber auch nur ständig das Lachen verkneifen, denn ich war die Einzige, die jeden Tag mit kurzer Hose und Flip Flops in die Redaktion kam...

Was ich hier besonders sympathisch fand, ist die relativ relaxxte Stimmung, weil sich hier alle für alles Zeit lassen. Schließlich erscheint das Journal nur Samstags und keiner hier hat Angst, die nächste Ausgabe könnte nicht gefüllt werden. Immer, wenn ich SCHON um halb elf morgens da war, sagte Frau Becker: "Sie sind aber heute früh dran, Frau Sander!". Immer, wenn ich also etwas zu tun bekam, hatte ich genügend Zeit es zu erledigen und immer, wenn ich SCHON nach drei Stunden fertig war, wurde mir gesagt: "Sie hätten sich doch nicht so beeilen müssen, Frau Sander!". Ganz nach meinem Motto: "Immer mit der Ruhe und dann mitm Ruck" - der perfekte Job für mich!

Trotzdem ist das Leben der Redakteure hier sehr erlebnisreich: Wenn es nicht grade zu einem Exklusivinterview mit Johnny Depp oder Bill Clinton geht, fliegt man eben mal kurz nach Namibia, um eine Hamburger Stepptanzgruppe auf ihrer Tournee zu begleiten oder nach Venedig, um vor Ort zu überprüfen, ob die Stadt wirklich untergeht - natürlich auf Kosten der Redaktion. Im Gepäck sind dann ein Paar der neusten und spannensten Bücher - die das Adenbblatt* natürlich als Gratisexemplar vor allen anderen bekommt.

Man hats also nicht leicht hier

Auch, wenn ich hier nicht allzu viel außerhalb der Redaktion gesehen hab, war dieses Praktikum - vor allem gegen Ende (und nachdem ich gesehen hab, wie viel Honorar ich pro veröffentliche Zeile bekomme...) sehr sehr schön und lehrreich.

28.7.06 12:14


Ode an die Kantine

Früh am morgen schon sitze ich hier

Kanns kaum erwarten, sehn mich nach dir

Am Abend zuvor denk ich schon daran:

"Nehm ich das Huhn oder Fisch aus der Pfann?"

Auch die Beilagen, sind prima, famos

Kartoffeln, Reis, Nudeln was nehme ich bloß?

Endlich ists Mittag, die Uhr schlägt halb zwei

Ab in die Pause, für kurze Zeit frei

Ich schreite zum Ausgang, drücke den Knopf

Rieche das Essen und recke den Kopf

Rieche die Nudeln, Kartoffeln, Garnelen

Geliebte Kantine, du wirst mir so fehlen

Gabst Trost und Liebe, warst Freundin zugleich

Warst so gemütlich, an Essen so reich

Alles so günstig bekam ich Rabatt

Alles so lecker, ich war sogar satt

Doch nun, liebe Kantine, muss ich wohl gehn

Die Zeit ist gekommen, vergieß keine Trän'

Die Zeit war so schön, ich denke an dich

Ich liebte dein Essen, liebtest du mich?

27.7.06 17:22


Mein Praktikum bei DILB*-Hamburg 

Auch wenn das Ganze jetzt schon ein bisschen her ist, versuche ich alles so genau und neutral wie möglich wieder zugeben, genau wie die DILB* es mich gelehrt hat

Also, für alle die es noch nicht wissen:

DILB* ist die auflagenstärkste Zeitung in Europa, am Tag werden bis zu 5 000 000 Exemplare verkauft, gelesen wird sie aber von dreimal so vielen Leuten. Sie ist und war immer die Zeitung für den "kleinen Mann" (damit ist ausnahmsweise mal nicht Flo gemeint ). Chefredaktuer ist Manni de Kaik* und ich darf von mir behaupten, ihn "kennengelernt" zu haben (laut taz hat dieser gewisse Herr de Kaik* übrigens versucht seinen Penis mit Leichenteilen zu verlängern... )

DILB*-Hamburg hat allein schon eine Auflage von 800 000 Exemplaren, auch wenn kein Hamburger wirklich zugibt, dass er "sowas" liest.

Die Lokalredaktion von DILB*-Hamburg ist eigentlich auch relativ "süß" besetzt. Der Durchschnittsredaktuer ist nämlich 28 dazwischen sitzt allerdings der ein oder andere junggebliebene aber depressive Mittvieriziger - kein Wunder, denn sogar die Chefs sind über 15 Jahre jünger.

15 000 000 Menschen werden also täglich von einem Haufen sich noch in der Pubertät befindlichen Twens informiert

Nein, mal im Ernst. Die meisten Redakteure sind zwar nicht gerade freundlich, scheinen aber auch nicht gerade die schlechtesten Absolventen der Axel-Springer-Journalisten-Schule gewesen zu sein. Und da muss man ja schließlich auch erstmal hinkommen!

Jedenfalls war mein Praktikantinnen-Dasein ziemlich eintönig. Hier mal ein typischer Tagesablauf:

8:47h : Die Bahn kommt! Einsteigen und ab zu Axel!

9:10h: "Check-In" bei Axel

9:45h: BILD-Hamburg Konferenz

ab 10:30h: sitzen, gucken, warten.

13:30h: Essen in der Kantine - mein tägliches Highlight!

bis 17:00h: sitzen, gucken, warten.

ab 17:00h: FEIERABEND!!!

dazwischen DURFTE ich - an guten Tagen - auch mal raus und zwar um stundenlange Umfragen auf der Straße zum Thema wetterfühlig zu machen (O-Ton: "Hallo, wir sind von DILB*-HAMBURG und machen eine medizinische Umfrage zum Thema Wetter" - DILB* und MEIDIZINISCHE Umfrage? Wers glaubt!), um Autos zu zählen (wir wissen jetzt: 15% aller 15 000 von mir eigenhändig gezählten Autos hatten während der WM eine Deutschlandfahne am Fenster baumeln...), um Requisiten für Fotos zu kaufen und zu tragen, um nackte Nutten auf dem FIFA-Fan-Fest zu beschützen oder um selbst mal Model spielen zu DÜRFEN. Nebenbei DURFTE ich das Lesertelefon betreuen (O-Ton: "Hallo, ist da die DILB*? Ich hab eine MEGA TITELSTORY für euch! Mein Windhund ist gestern weggelaufen...") und ansonsten sitzen, gucken und warten und sich ab und an mal anschnautzen lassen.

An dem Tag, als wir am Gänsemarkt standen und zufällig sahen, wie ein 75-jähriger Mann plötzlich umkippte und wir gezwungen waren, seine vollkommen aufgelöste Frau dazu auszuquetschen, war für mich spätestens klar: DAS ist nichts für dich!

Trotzdem habe ich bei DILB* auch Dinge erlebt, die nicht alltäglich oder selbstverständlich sind, wie zum Beispiel das Rosenstolzkonzert, das Drachenbootrennen oder auch das "Date" mit den Amis.

Einerseits war es genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte, andererseits aber auch ganz anders. Und trotzdem ist sicher: DILB* ist DILB* ist DILB* ist eben doch vor allem DILB* 

Übrigens, allen, die DILB* genauso gern haben wie ich, empfehle ich die Seite www.bildblog.de

alena

* Vorsicht: Anagramm, d.h. Name geändert (lernt man nicht bei DILB*, kann ich aber trotzdem )

19.7.06 15:38



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